Grube Maria, Alsdorf

 

Die beträchtliche Nachfrage an Kohle in der aufblühenden industriellen Revolution hatte einen „Goldrausch“ in der Finanzwelt zur Folge. Namhafte Bankiers und Industrielle aus Köln und Aachen ließen nach neuen Kohlelagerstätten suchen und neben der Grube Anna bei Alsdorf auch die Grube Maria im Hoengener Wald errichten. Maria gehörte zu Beginn dem Aachener Friedensrichter Friedrich Bölling und dem Dürener Tuchfabrikanten Leopold Schoeller. Der Name Maria stammt vermutlich von dem Vornamen der Ehefrau des ersten Grubendirektors.

 

Im Jahre 1848 wurden die ersten 200 Tonnen der begehrten Fettkohle aus dem nur 1,30 Meter breiten Förderschacht I gefördert. Daneben baute man den „Kunstschacht“, der für Fahrung und Wasserhaltung gedacht war. Um die Fördermenge zu erhöhen, wurden im Jahre 1854 rund 350 Meter westlich zwei weitere Schächte, u.a. der Förderschacht II, niedergebracht. Damit wurde praktisch eine zweite Grube errichtet, die den Namen Maria II trug. Der ältere Teil wurde Maria I bzw. im Volksmund „Au Kull“ (Alte Grube) genannt. Auch wurde auf Maria II eine Kokerei sowie im Jahre 1894 eine Brikettfabrik errichtet, die unter anderem Lokbriketts presste.

 

Die Grube Maria II

 

Man baute eine kleine Siedlung für Grubenbeamte und Arbeiter in der heutigen Querstraße. Der Ort erhielt den Namen „Mariagrube“. Mit der Erweiterung der Grube entstanden die Kolonien Boisch und Düppel.

Die wirtschaftliche Entwicklung der Grube wurde durch die unzulänglichen Transportmöglichkeiten der geförderten Kohle gehemmt, die nur mit einer Pferdebahn bis oberhalb Merzbrück zu den Anschlussgleisen des Stolberger Bahnhofs abgefahren werden konnte. Eine wesentliche Absatzsteigerung wurde erst durch den Bau der Eisenbahnlinie Stolberg-Mariadorf-Alsdorf nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 erreicht.

Da die gewünschten Fördermengen auf Maria II nicht erreicht werden konnten, setzte man große Erwartungen auf weitere neue Schächte, die ab 1882 rund 500 Meter nördlich auf dem Gelände der späteren Anlage Maria-Hauptschacht niedergebracht wurden. Neben dem Maasschacht (er hieß Anfangs Hauptschacht) wurde 1899 der Suermondt-Schacht niedergebracht. Im Zuge des Ausbaus von Maria-Hauptschacht konzentrierte man hier die Förderung und schloss die unrentable Maria II bereits im Jahre 1886 wieder. Maria I wurde 1925 geschlossen und teufte stattdessen im Jahre 1930 den Neuschacht ab. Damit hatte Maria insgesamt 12 Schächte.

 

 

 

Maria-Hauptschacht von links: Suermondtschacht, Neuschacht,Maasschacht

 

 

 

Maria Hauptschacht im Jahre 1950 mit dem Bahnhof "Mariagrube"

 

Im Jahre 1890 war Maria so verschuldet, dass sie an die „Vereinigungsgesellschaft“ verkauft wurde. Schon damals gab man ihr nur noch eine Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren. Mit der Fusion der Vereinigungsgesellschaft mit dem Eschweiler-Bergwerks-Verein (EBV) im Jahre 1907 erfolgte der zweite und letzte Besitzerwechsel.

Im Jahre 1914 betrug die Belegschaft bereits 1.800 Mann. Die tägliche Förderung betrug 1640 Tonnen Kohle.

Mit dem Vordringen des Abbaus in die Teufe wurde die Kohle immer magerer, so dass die Kokerei von Maria II im Jahre 1932 geschlossen wurde.

 

Kokerei Maria in den 1920er Jahre

 

Während des zweiten Weltkrieges wurde die Grube Maria im Winter 1944/45 nach sechswöchigem Artilleriebeschuss schwer beschädigt, ihre 820-Meter-Sohle war abgesoffen. Erst 1947 konnte die Anlage nach Beseitigung aller Schäden die Förderung wieder aufnehmen.

Trotz der regelmäßig wiederkehrenden düsteren Prognosen schafften es die Mariadorfer immer wieder, ihre „Kull“ über die Runden zu bringen. Im Jahre 1957 machte Maria fast 3000 Tagestonnen.

Im Februar 1959 wurde die Brikettfabrikation auf Maria II mangels Nachfrage eingestellt.

Die Schwarzseher meldeten sich 1958 wieder, als Maria unter Tage mit Emil-Mayrisch in Aldenhoven-Siersdorf verbunden wurde. Die sogenannte „Millionenstrecke“ durch die berüchtigte geologische Störung „Sandgewand“ verstärkte die Befürchtungen, dass Maria nicht mehr lange gebraucht würde. Diesmal sollten die Pessimisten Recht behalten. Am 30. September 1962 wurde der letzte Wagen Kohle zu Tage gebracht – aber nicht mangels Kohle, sondern weil das billigere Heizöl die gute Maria-Eßkohle aus dem Markt drängte. Damit blieben bis zu einer Teufe von 1200 Metern noch 43 Millionen Tonnen Kohlen stehen, fast genauso viel, wie Maria in 114 Jahren zu Tage gefördert hatte. Die gesamte Belegschaft von damals 2.800 Personen wurde komplett von Emil-Mayrisch übernommen.

 

   

Die untertägige Strecke zwischen den Gruben Maria-Hauptschacht und Emil-Mayrisch. Bei der Durchörterung der gefürchteten Sandgewand musste jeder Meter mit acht stählernen Ausbauringen abgestützt werden.

 

Heute befindet sich auf dem Gelände von Maria I ein Holzhandlung. Auf dem Gelände von Maria II war bis zur Schließung aller EBV-Betriebe im Jahre 1992 die zentrale Maschinenhauptwerkstatt angesiedelt. Heute nutzen verschiedene Unternehmen des Anlagen- und Maschinenbaus die Räumlichkeiten als Betriebsstätte. Auf dem Gelände von Maria-Hauptschacht wurde ein Sportzentrum errichtet. Der größte Teil des Geländes liegt jedoch seit dem Abbruch der Anlagen brach.